Truppenübungsplatz
Zossen
Truppenübungsplatz
Wünsdorf
1906 wurde im Zusammenhang mit einer geplanten Vergrößerung des Heeres mit der Anlage eines neuen Truppenübungsplatz in der Gegend um Zossen und Wünsdorf, südlich von Berlin, begonnen. Die Gegend gehört noch zur Tangersdorfer Heide, in der zu diesem Zeitpunkt auch schon der Truppenübungsplatz Jüterbog und der Schießplatz Kummersdorf befanden. Ab 1910 entstehen in Wünsdorf zahlreiche Kasernenanlagen. In Wünsdorf befand sich ab 1913 auch die Infanterieschule der Kaiserlichen Armee. Während des Ersten Weltkrieges wurden riesige Kasernen und eine Militärturnschule gebaut. Diese ist heute als Haus der Offiziere bekannt.
In den Jahren zwischen 1914 und 1919 entstanden für rund 15.000 Soldaten der
gegnerischen Entente zwei Kriegsgefangenenlager. Sogar eine Moschee für die moslemischen Soldaten wurde
auf dem Gelände errichtet.
Die geplante Aufstellung einer Panzereinheit in Wünsdorf wurde aber 1918 durch die Entwicklung des
1. Weltkrieg hinfällig. Nach dem Krieg wurden Freikorps in den Militäranlagen untergebracht.
Ab 1920 wurden auf dem Gelände Soldaten für das Heer ausgebildet. 1920/21 wurde
auch eine russisch-othodoxe Kirche auf dem Gelände errichtet. Ab Anfang der
30iger Jahr entwickelte sich Wünsdorf zu einem Zentrum in der Entwicklung der
schnellen Truppen.
1931 wurde die erste motorisierte Einheit der Reichswehr nach Wünsdorf verlegt. Die Militäranlagen wurden
in der Folge stark erweitert.
1933 wurde auf dem Truppenübungsplatz der erste Panzerverband der künftigen deutschen Wehrmacht aufgestellt. Der Ausbau des Geländes zum militärischen Großstandort wurde
weiter voran getrieben. In Wünsdorf befand sich in den 30iger Jahren auch die
Heeressportschule.
Die modernen Sportanlagen des Militärgeländes wurden im Jahr 1936 im Vorfeld der Olympischen Spiele für Trainingsmaßnahmen
der deutschen Olympia-Mannschaft genutzt. 1937 begannen die Arbeiten für die bombensicheren Bunkeranlagen (Maybach I und II) samt hochmodernem Fernmeldebunker (Zeppelin).
Diese Arbeiten wurden 1939 fertig gestellt. Danach wurden die Bunkeranlagen in Betrieb genommen. Das Gelände wurde zu einer der wichtigsten Kommandozentralen des zweiten Weltkrieges. Mehr und mehr Dienststellen der Wehrmacht wurden
wegen des offensiveren Luftkrieges der Alliierten ab dem Jahr 1943 nach Zossen / Wünsdorf verlegt, unter anderem Teile des Heereswaffenamtes und Teile des Oberkommandos des Heeres.
Im Frühjahr
1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden zahlreiche Dienststellen nach Mittel- und Süddeutschland verlegt. Der am 15. März
1945 durchgeführte Luftangriff auf den Truppenübungsplatz mit fast 600 Bombern richtet keine nennenswerten Schäden an. Am 21. April
1945 besetzte die Rote Armee das Gelände um den Truppenübungsplatz Zossen / Wünsdorf nahezu ohne jeden Widerstand.
1946 werden Teile der technischen Anlagen demontiert und in die Sowjetunion geschafft. Teile der Bunkeranlagen
(Maybach I und II) wurden gesprengt.
Im Jahr 1953 wurde das Gelände zum endgültigen Sitz der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte erklärt. Teile des Ortes Wünsdorf wurden
damit zum militärischen Sperrgebiet. Mit bis zu 40.000 stationierten Soldaten wird das Gelände Zossen / Wünsdorf zu einer militärischen Machtzentrale.
1953 übernahmen die Sowjets das 590 Hektar große Areal. Sie errichteten hier die
Kommandozentrale für ihre in Deutschland stationierten Soldaten. Die Siedlung,
in der bis 100 000 Soldaten mit ihren Familien leben, wurde zur "verbotenen
Stadt". Selbst die Bundesstraße 96, die mitten durch die Garnison führt, war von
nun an für Zivilisten gesperrt.
Die zentrale Luftraumüberwachung und -koordinierung wurde 1974 in Betrieb genommen. Nach dem Fall der Berliner Mauer und der damit verbundenen geschichtlichen Entwicklung wird im Jahr 1990 der Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland vereinbart. Die Bundeswehr übernahm
vorerst die Luftraumüberwachungsstelle.
Der letzte Zug mit Soldaten der Roten Armee verließ Ende August bzw. Anfang
September 1994 Wünsdorf. Die Zeit der militärischen Nutzung des Geländes Zossen / Wünsdorf
war nach fast einem Jahrhundert vorüber. Heute ist die zivile Nutzungsplanung
noch nicht komplett umgesetzt. Aber es hat sich seit 1994 einiges geändert.
Bilder vom Truppenübungsplatz
Kommandanten des Übungsplatzes:
Oberst von Fischer (1920)
Oberst von Selle (1920)
Oberst von Schauroth (1930)
Oberst Ernst Buchterkirch 1. Februar 1931 - 10. November 1938
Oberst Gustav-Adolf von Wulffen (1939)
Oberst Kurt Schmelzer 3. Januar 1939 - 4. März 1941
Generalleutnant Fritz Koreuber 16. März 1941 - 26. Februar 1943
Generalmajor Rudolf Höfer 26. Februar 1943 - 1. Juni 1944
Generalleutnant Fritz Koreuber 2. Juni 1944 - 4. Mai 1945